Archiv: Bisherige Videos, Texte, Buchbesprechungen

Bisherige VIDEOS

Video Januar 2022

Januar 2022

Pfarrerin Dr. Sabrina Müller ist Geschäftsleiterin des Universitären Forschungsschwerpunkts Digital Religion(s) und Lehrbeauftragte für Praktische Theologie an der Universität Zürich. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit Theorie und Praxis einer zukunftsfähigen Kirche.

Auf der digitalen midi-Jahrestagung am 1. Juni 2021 hielt Sabrina Müller den Vortrag „Die Kraft des Empowerments“.

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Video Februar 2022

Februar 2022

Sandra Bils ist evangelische Pastorin, theologische Referentin bei midi – Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung und hat an der CVJM-Hochschule Kassel eine Honorarprofessur für missionarische Kirchenentwicklung inne.

Über „Disruptive Ekklesiologie. Eine kirchenentwicklerische Perspektive auf Corona“ sprach Dr. Sandra Bils auf der digitalen midi-Tagung „Das gefühlte Corona – Erfahrungen mit der Pandemie und die Folgen für die kirchliche und diakonische Praxis“.

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Video März 2022

März 2022

Thorsten Dietz hat evangelische Theologie und Philosophie studiert. Nach Vikariat und Pfarramt schrieb er in Marburg eine Doktorarbeit über das Thema »Der Begriff der Furcht bei Luther«. Für diese Arbeit wurde er 2010 mit dem Martin-Luther-Preis der Luthergesellschaft ausgezeichnet. 2011 wurde er zum Professor für Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule TABOR in Marburg berufen.

Die Angst rund um Corona hat alle anderen Ängste in den Hintergrund gedrängt. Wir leben wirklich in einem neuen Zeitalter der Angst. Welche Rolle spielt da der Glaube? Wie kann Gottvertrauen trösten? Das Spannungsfeld zwischen Verheissung und Realität führt oft zu spirituellen Konflikten. Und dort wo Religion zum System erstarrt, wo Macht ausgeübt wird, dort entstehen berechtigte Ängste. Wie kann man diese überwinden? Die Tagung beleuchtet Glaube und Angst aus theologischer, anthropologischer und psychologischer Sicht.

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Video April 2022

April 2022

Tobias Faix ist ein deutscher evangelischer Theologe und Sachbuchautor. Er ist Professor für Praktische Theologie an der CVJM-Hochschule in Kassel mit den Schwerpunkten Gemeindepädagogik, interkulturelle und empirische Theologie. Außerdem ist er außerordentlicher Professor an der staatlichen Universität von Südafrika.

Wie verändert Corona unser Kirchesein? Tobias Faix spricht über die Einordnung digitaler Gottesdienste, Abendmahls- und Eucharistiefeiern, Frust und Freude von Videokonferenzen und über das Ausprobieren neuer neue Wege.

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Video Mai 2022

Mai 2022

Pfarrerin Dr. Sabrina Müller ist Geschäftsleiterin des Universitären Forschungsschwerpunkts "Digital Religion(s)" und Lehrbeauftragte für Praktische Theologie an der Universität Zürich. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit Theorie und Praxis einer zukunftsfähigen Kirche.

Auf der digitalen midi-Jahrestagung am 31. Mai 2021 hielt Sabrina Müller den Vortrag „Die Kraft religiöser Erfahrung“

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Bisherige BEITRÄGE


Die Verwandlung der Kirche (Teil 1)

[Artikel des Monats Januar 2022]

Teil 1 von 5

Corona hat gezeigt, wie reformfähig und beweglich Kirche sein kann. Aber es bestehen die berechtigten Bedenken, dass dies nur temporäre Veränderungsprozesse sind und dass alte Muster sich in der Postcoronazeit wieder durchsetzen.

Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek sagte im Höhepunkt der Coronakrise: "Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen - Im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmiten anderer Lebensformen."

Was für die einen wie ein Schreckensszenario klingt, bedeutet für andere Hoffnung. Deshalb ist eine Diskussion über die Verwandlung der Kirche notwendig und diese hat auch schon auf fast allen Ebenen begonnen. Nichts wird wieder normal und genau darin liegt für Kirche die Chance. Die geglückten Angsüberwindungen der letzten Wochen mit der praktischen Erfahrung, dass Kirche doch veränderbar ist, eröffnen eine neue Zeitenrechnung.

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Die Verwandlung der Kirche (Teil 2)

[Artikel des Monats Februar 2022]

Teil 2 von 5

Wir leben in Krisenzeiten und damit in Zeiten von Transformation – mit und ohne Covid-19-Pandemie. Letztere bringt zwar viel Leid hervor, das keinesfalls verharmlos werden darf, macht in vielen Fällen aber nur besonders deutlich, in welchen Umbruchsprozessen und vor welchen Herausforderungen wir überhaupt stehen.

Dies gilt für das Thema Digitalisierung und dessen Auswirkungen auf kirchliche Entwicklungen, wie Tobias Faix im ersten Beitrag dieser Reihe gezeigt hat, dies gilt aber auch für ein weiteres Thema, das auch für uns alle kein Neuland sein sollte und doch irgendwie immer noch ist: Nennen möchte ich es das Vergemeinschaftungsparadox. Was verstehe ich darunter? Nehmen wir dazu einen kleinen Umweg über unsere aktuelle Situation in der Covid-19-Pandemie.

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Die Verwandlung der Kirche (Teil 3)

[Artikel des Monats März 2022]

Teil 3 von 5

Corona hat uns als kleine Kirchengemeinde wie viele „kalt erwischt“. So scheint es mir auch noch im Rückblick. Ich dachte, wir wären als „Zellgemeinde“ auf „so etwas“ vorbereitet und könnten damit umgehen. Bei aller Lernbereitschaft und Offenheit gegenüber digitalen Medien erfasste mich dennoch ein dumpfes Unwohlsein. Dieses Empfinden hält immer noch an. Es zeichnen sich aber auch erste Konturen von etwas Neuem ab.

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Die Verwandlung der Kirche (Teil 4)

[Artikel des Monats April 2022]

Teil 4 von 5

Das vergangene Jahr war für viele Kirchen und Gemeinden ein lehrreiches Jahr und wir haben in den ersten drei Teilen unserer Serie “Die Verwandlung der Kirche” die Lehren der Veränderungsprozesse im Blick auf den digitalen Wandel aufgenommen, reflektiert und versucht für die Praxis auszuwerten. Im vierten Teil wollen wir das fortführen und einen Ausblick wagen: Wie können die vielen positiven digitalen Erfahrungen ein fester Bestandteil von Kirche werden?

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Die Verwandlung der Kirche (Teil 5.1)

[Artikel des Monats Mai 2022]

Teil 5.1 von 5

Gastbeitrag von Arne Bachmann

Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen: Ich habe jetzt bestimmt seit fast einem Jahr keinen Gottesdienst mehr gefeiert, auch nicht digital. Und? Habe ich das wirklich vermisst? Fehlt mir irgendetwas? Ich bin mir nicht sicher. Und vielleicht geht damit auch eine Unsicherheit einher, die Frage überhaupt zu beantworten: „Was macht Corona aus der Kirche?“ Ich habe keine Ahnung und spüre auch: für eine gute Antwort ist es mir noch viel zu früh. Viele frühe Deutungen der Coronakrise werden sich vielleicht auch als Schnellschuss erweisen. An welchen Stellen Corona umwälzend sein wird und an welchen Stellen eine Re-Normaliserung eintritt, die wir uns jetzt – mitten in der Krise – nicht vorstellen können: Wer könnte das mit welchen Argumenten so genau wissen? 

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"Hindernisse einer gewaltfreien Kommunikation"

[Artikel des Monats Juni 2022]

Von Silvio Fritzsch

Gewalt ohne Ende?

Aktuelle Entwicklungen im Jahr 2022 erschüttern einmal mehr den Glauben an einen global-gesellschaftlichen Konsens, bei gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen an die Menschheit gewaltfreie Lösungen als alternativlos zu betrachten. Perspektiven, welche Gewalt gerne als überkommen und rückschrittlich einordnen würden, geraten zunehmend unter Druck. Das Ausmaß und die Anzahl solcher „Rückschritte“  macht es ab einem gewissen Punkt schwer bis unmöglich ein Überkommen weiterhin zu rechtfertigen. Da dies noch lange kein Grund ist, eine Vision von Gewaltfreiheit aufzugeben, braucht es aber umso mehr Theorien von Gewaltfreiheit, die sich tiefgründig mit dem Phänomen menschlicher Gewalt auseinandersetzen. In meiner Masterarbeit habe ich zwei solcher Konzepte analysiert und gegenseitig ins Gespräch gebracht: Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg (GFK) und die mimetische Theorie (MT) von René Girard.

Dies ist ein Ausblick über die Masterarbeit „Zur Transformation der GFK“ im Studiengang Transformationsstudien: Öffentliche Theologie und Soziale Arbeit", wenn du die ganze Masterarbeit lesen willst, dann kannst du das hier tun: https://www.cvjm-hochschule.de/fileadmin/9_MASTERARBEITEN/Transformation_GFK_Fritzsch.pdf

"Teile und herrsche"

[Artikel des Monats Juli 2022]

Thomas Kaufmanns jüngstes Buch „Die Druckmacher“ zeigt auf, was die Generation Luther sprachfähig machte

by Tanja Kasischke


Die Reformation begann an der Druckerpresse. Wie der Hammerschlag dramaturgisch umgesetzt war, mit dem Martin Luther am Abend des 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen ans Portal der Wittenberger Schlosskirche heftete (falls er ihn selbst ausführte, woran gezweifelt werden darf), und wie viel Dichtung der Wahrheit sukzessiv beigemischt wurde, ist für den Ausgangspunkt des Geschehens irrelevant. Entscheidend war: Luthers Thesen wurden zweimal veröffentlicht; einmal am Kirchportal, das damals die Funktion eines Schwarzen Bretts hatte, ein weiteres Mal in der Druckmetropole Leipzig. „Nicht mehr der traditionelle institutionelle Ort des intellektuellen beziehungsweise wissenschaftlichen Konfliktaustrags, die Disputation, wurde gesucht, sondern der freie, räumlich entgrenzte Diskurs derer, die sich zu einer Meinungsäußerung über anspruchsvolle Thesen berufen fühlten“, schreibt der Göttinger Historiker Thomas Kaufmann. In seinem jüngsten Buch „Die Druckmacher“ rollt er die erste Medienrevolution auf, analysiert den Buchdruck als Erfolgsfaktor für die Generation Luther – und umgekehrt


Unstrittig war die Bevölkerung zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Krisenmodus; die Zeichen standen auf Veränderung. Die Weltsicht hatte sich durch Kolumbus’ Reisen verschoben, der westliche Horizont wurde weiter, dafür rückten von Osten die Türken bis Wien und führten den Menschen die eigene Endlichkeit ihres Raumes und ihres Daseins vor Auge. Angst war die eine Variable, Neugier die andere. Denn zugleich eröffnete der um 1450 einsetzende, mechanische Buchdruck neue Welten; er revolutionierte die Verfügbarkeit von Wissen und Information und passte die Kommunikation den ökonomischen Vernetzungsstrukturen an. Thomas Kaufmann schreibt anschaulich über den Hype Handlungsreisender, die sich mit Reproduktionsmethoden vertraut machen, sowie über Büchermenschen, die sich darin überboten, neue Publikationen zu erwerben. Johannes Reuchlin, dessen 500. Todestag wir in diesen Tagen (30. Juni 1522) begehen, war einer davon. Seinem Großneffen Philipp Melanchthon vererbte er beides, den Einsatz für die Demokratisierung der Bildung „wider der Mönchsherrschaft“, als auch das „tendenziöse Narrativ“, das mit der schnelleren, mitunter unreflektierten Verbreitung von Nachrichten einherging. Kaufmann gibt zu bedenken, dass sich das Papsttum die neuen Formen der Kommunikation gleichermaßen dienstbar machte; Stichwort Ablass.

Dem Reformationskenner gelingt ein populärwissenschaftliches Narrativ, dass den Band leicht lesbar macht. Wer sich nicht dezidiert mit der DNA der Lutherzeit auskennt, muss keine Überforderung fürchten. Das Wesen des Buchdrucks und die Intention der Massenmedien sind stringent übersetzt: Teile und herrsche; das Prinzip bestimmte bereits den analogen Medienkonsum. Wer informiert war oder es von sich glaubte, wurde mündig. Zumindest galt das für den männlichen Teil der Bevölkerung. Das gedruckte Leitmedium beanspruchte moralische Hoheit; institutionelle Zuordnungen griffen nicht mehr. Luthers Leistung – und die seines Teams – bestand darin, den gesellschaftlich neu verhandelten Geist auch spirituell so einzuordnen, dass es den Konsumgewohnheiten entsprach. Etwa mit den Freiheitsschriften (1520) oder der Confessio Augustana (1530). Die Volksbildung bezog „Knaben und Maidlein“ ein, wie Luther notierte, „damit Leben in Gemeinschaft gelinge“. Die Reformatoren versuchten so, die erste gesellschaftliche Transformation der Neuzeit in Worte zu fassen. Der Buchdruck hatte die Welt partizipativ und zugleich diffus werden lassen, weil Schutzräume, auch kommunikative, beim Tempo der technischen Innovation ungeklärt blieben, vergleichbar sozialen Medien heute. Die Reformation klärte einiges, nicht alles. Wo Kirche den Umwälzungsprozess nicht schnell genug zu begleiten vermochte, entglitt der Diskurs. Auch dieses Phänomen erodierter Mitte versus radikaler Ränder ist ein wiederkehrendes.

Das Beispiel Reuchlin-Melanchthon zeigt, dass das Verständnis von Innovation nicht mehr linear von einer Generation auf die folgende überging, sondern wie Kommunikation von innen nach außen verlagert wurde und sich das eigene Selbstverstehen reformierte. Dazu Kaufmann: „Die kulturellen Auswirkungen der ersten Medienrevolution zeigten sich im Abstand einiger Jahrzehnte, und dann begann sie, erhebliche gesellschaftliche Umwälzungen in Gang zu setzen.“ Er öffnet damit den Raum für Diskussionen, wie sie aktuell in den Transformationsstudien geführt werden: Wie eruptiv sind Veränderungen tatsächlich, ist der Blick auf die hohen Ausschläge nicht falsch angesetzt, weil Wandel gleitend vor sich geht? Sind entfesselte gesellschaftliche Transformationen „unter Druck“ (im Wortsinn) wirksamer, weil das Brennglas von Licht nach Dunkel ihre Akzeptanz beschleunigt?

Kaufmann denkt klein genug, um seinen roten Faden konsequent zu führen, und groß genug, um den Begriff der Medienrevolution ins Heute lancieren zu können, ohne dass er Gefahr läuft, den historischen Fokus seines Buchs zu verlieren. Kritik, er würde seiner Analyse der medialen Umwälzung damals keine Einschätzung der Digitalisierung heute folgen lassen, ist unbegründet. Denn das ist keineswegs Intention der „Druckmacher“. Die liegt vielmehr auf der prozesshaften Entwicklung öffentlicher Kommunikationsräume. Der Historiker ist ein rückwärtsgewandter Prophet, hat Friedrich Schlegel erkannt. Kaufmanns Herangehensweise ist entsprechend: Für den Historiker ist es zulässig, Gegenwärtiges in Kenntnis des Vergangenen zu diskutieren, die Wertung aber dort stehenzulassen.  

Ergänzungen, Kritik und Praxisbeispiele sind herzlich willkommen!

 


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